AnmeldenHauptmenüaktuelle NutzerKoch-LinksNächste FeiertageAphorismenSage mir, was du ißt, und ich sage dir, wer du bist. -- Jean Anthelme Brillat-Savarin (1755 - 1826) |
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Lust auf einen Ausflug ins Hutmuseum?Ab 10. Mai gibt es in Nürnberg ein neues kleines Museum: das privat geführte Hut-Museum der alteingesessenen Hutmacher-Familie Brömme. Wenn ihr Interesse habt die alte Handwerkskunst der Hutmacher kennen zu lernen und an einem Ausflug teil zu nehmen, schreibt bitte einen Kommentar zu diesem Beitrag - evtl. mit eurem Terminvorschlag (ab Anfang Juni) und natürlich ob ihr Alleine oder mit Begleitung kommen möchtet. "Wir haben keine alten Hüte!" Dies vom Betreiber eines Hut-Museums zu hören, verwirrt anfangs. Aber es klärt sich bald auf: Seit 126 Jahren betreibt die Familie Brömme in Nürnberg - inzwischen in der vierten Generation - schon das Hutmacher-Handwerk. Nachdem man die letzten 20 Jahre im Nürnberger Zentrum residierte, steht am 10. Mai eine Wiedereröffnung eines Hut- und Trachtengeschäftes im Stammhaus von 1878 in der Inneren Laufer Gasse an. Und darunter befindet sich das Hutmuseum. Ohne Hüte aus vergangenen Tagen? "Es geht mir darum, zu zeigen, wie Hüte hergestellt werden, und was einen guten Hut von anderen - aus Kaufhäusern - unterscheidet", begründet Horst Brömme seine Einstellung. Brömme liegt sein Handwerk im Blut - nicht nur dass er ständig mit Hut unterwegs ist, er sieht auch die Hutgröße seinem Gegenüber an. Mit Leidenschaft ist er Hutmacher, dessen Anliegen es ist, die Wertschätzung für individuelle Hüte zu steigern, indem er den Fertigungsprozeß vom Hasenfell bis zum individuellen Hut erklären und veranschaulichen kann. Dabei wird das Hasenhaar zuerst geschnitten, gebeizt, gereinigt und geblasen, und dann erwärmt. Der entstandene Vlies wird weiter gefilzt, gewalzt und geschliffen und in Form gezogen, bis der sogenannte Stumpen fertig ist. Zwei Grundformen existieren: entweder der klassische, dreieckige oder als Stumpen mit leicht gezogenen Rändern, die man als "Seppl-Hüte" vom Oktoberfest kennt. Der Filz kennt dabei unterschiedliche Dichte- und Weichheitsqualität: als haarige Melousine, als Velour, als Antilope, oder als rauher Haarfilz. Das Filzen, bzw. Walken (Herstellen von Filz) war schon in der Antike verbreitet. Hauptverwendung waren schon damals Hüte und wasserabweisende Kleidung. Der Filz wird schließlich gefärbt und immer wieder durch Erwärmen - sei es durch erwärmte Aluminium-Formen, feuchte Tücher oder Wasserdampf - in Form gebracht und gezogen. Holzmatrizen und andere Hilfsmittel wie Pressen lassen aus dem Filz am Ende den Hut entstehen. Highlight von Brömmes Sammlung ist nicht etwa ein Hut oder eine spezielle Hutform, nein, die liebsten Geräte des Hutmachers sind der sogenannte Konformateur und der Formillion, mit deren Hilfe die Hüte genau an die Kopfform angepasst werden. Dabei wird zuerst der Konformateur, ein zylinderähnliches Gebilde über den Kopf gestülpt, dessen bewegliche Teile sich um die Kopfform legen. Mit Hilfe einer Vorrichtung kann die Kopfform dann verkleinert als Umriß auf ein Papier gestanzt werden. Dieser Umriß wiederum wird in den Formillion eingelegt, dessen bewegliche Teile an die ausgeschnittene Kopfform angeglichen werden. Darüber wird der mit Wasserdampf erwärmte Hut gestülpt. "An diesem Tisch stand schon mein Großvater und hat Hüte erwärmt und angepasst", erzählt Brömme. Durch die Erwärmung schmiegt sich dieser der Form an und behält sie. Der Hut hat nun die passgenaue Kopfform angenommen. Doch damit ist der individuelle Hut noch nicht fertig: man kann seine Initialen einprägen oder einstanzen lassen. So befinden sich im Hutmuseum viele Hutformen und sonderbare Geräte wie der Hutweiter, die Prägemaschine für Initialen, eine Monogramm-Stanze, eine Dampfglocke, eine Strohhutnähmaschine. Es ist ein kleiner gemütlicher Keller, in dem Brömme die Werkzeuge seiner Ahnen untergebracht hat - und noch verwendet. Das Haus seines Ur-Großvaters ist - bis auf den Keller, in dem sich die Ausstellungs- und Vorführräume befinden - im Krieg zerstört und danach wieder aufgebaut worden. Überhaupt findet sich vieles aus der Familiengeschichte der Brömmes wieder, an dem sich wohl sehr schön die Geschichte einer Nürnberger Handwerksfamilie durch das letzte Jahrhundert nachzeichnen ließe. "Es ist schade: das Handwerk mit seinen Fachgeschäften, der Beratung und individuellen Anpassung und Qualität hat leider in Zeiten von Lidl und Aldi an Wertschätzung verloren.", weiß auch Brömme, und muß sich den Gegebenheiten anpassen. So stellt er selbst den Stoff nicht her, sondern lässt sich den fertigen Filz, aber auch teilweise die fertigen Hüte von Akubra, Borsalino, Mayser, Stetson, oder Wegener anliefern und passt die Hüte ihren Trägern an. Aber dennnoch dient das Museum - durch die einsatzbereiten Geräte - auch heute noch als Atelier für eigene Fertigungen von Herren- oder Damenhüten. Apropos Damen- und Herrrenhüte, da gibt es gewisse Unterschiede. "Der Hutmacher macht Herrenhüte, die müssen 40 Jahre halten, die Modistin fertigt Damenhüte, die müssen fünf Jahren halten. Man kann fast sagen, der Hutmacher arbeitet für die Tragfähigkeit, die Modistin für die Schönheit", lacht Brömme. Während die Ränder der Herrenhüte mit Matrizen geformt werden, ist dies bei "weiblichen" Hüten aufwendiger. "Bei Damenhüten ist viel mehr Handarbeit gefragt, die Ränder werden einzeln mit der Hand gezogen", erklärt Angelika Mentschel den Unterschied. Sie ist Meisterin in Mode und spezialisiert auf Hüte. Seit 1972 ist sie dem Haus Brömme verbunden und ist auch jetzt, zur Neueröffnung, wieder dabei. Allerdings leitet Horst Brömme nicht mehr das neu zu eröffnende Geschäft. Er kümmert sich mehr um das Museum - ohne alte Hüte. Klar, jetzt wissen wir: Hüte und ihre Formen sind zeitlos! Alt sind nur die bewährten Werkzeuge der Hutbearbeitung; aus Zeiten, in denen ein Mann nur mit Hut ein vollwertiger Bürger war. Dietmar Baumgartl
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