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Aphorismen

Co-Cooking gibt es nicht. Co-Cooking macht man.

-- Co-Cooker Ralph

Co-Cooker gemeinsam unterwegs

In Neuhaus an der Pegnitz schenken noch heute drei Kommunbrauer ihr selbstgebrautes Bier aus – Touristen und Bierfreunde nicht nur aus der Region sind hier Stammgäste – Der Zoiglstern zeigt den Weg zum Ausschank


Vielleicht hat ja einer von euch Lust auf einen Ausflug nach Neuhaus - oder jemand möchte einen gemeinsamen Ausflug mit anderen Co-Cookern zu den Kommunbrauern organisieren? Ich würde mich darüber freuen und wäre gerne dabei!NEUHAUS/PEGNITZ. — Und sie folgten dem Stern ... Wenn auch nicht so ganz dem Original entsprechend, hat dies in Neuhaus an der Pegnitz
Tradition. Der Zoiglstern an der Hauswand zeigt Einheimischen und Gästen auch heute noch, welcher der drei ansässigen Kommunbrauer
gerade ausschenkt. In seiner Wirtsstube wird dann gerade das selbstgebraute Märzen vom Faß gezapft.

Drei Brauer halten in Neuhaus noch immer eine jahrhundertealte Tradition aufrecht, die es so vor allem in Franken und der Oberpfalz gab und gibt, erzählt Paul Reindl, der Älteste unter ihnen. Sie haben noch die alte Braulizenz, die man etwa um 1500 ausgegeben hat. Damals bekamen viele Neuhauser das Braurecht, sofern sie ein Anwesen ihr Eigen nennen konnten. Da aber nicht jeder ein eigenes Brauhaus bauen konnte, wurde dies gemeinschaftlich übernommen. Die “Kommune” war geboren. Im Kommunbrauhaus bereiteten die Brauer oft zusammen den Sud, den Rest erledigte jeder Brauer nach seinem eigenen Rezept und seinen Erfahrungen.

Deshalb schmeckte und schmeckt auch nicht jedes Bier gleich.
Da die Braulizenz für das Anwesen verliehen wurde, reichte man sie über die Generationen weiter. Früher braute fast jeder im Dorf sein eigenes Bier. Heute sind nur noch drei aktive Brauer in Neuhaus im Einsatz.

Vielen wurde das Schankrecht über die Jahrhunderte entzogen.
Schließlich darf nur Bierbrauer sein, wer mindestens einmal in zehn Jahren ausschenkt. Andernfalls erlischt das Schankrecht. Beim “Hombauer”, der Wirtsstube von Paul Reindl, gibt es noch das Märzen vom Faß. Niemand würde sagen, er gehe zum Reindl. Die alten Hofnamen sind auch heute noch gebräuchlich. Wenn Paul Reindl gerade an der Reihe ist, gehen die Einheimischen zum Hombauer. Das ist Tradition. Mittlerweile kennen auch viele Fremde die Namen.

Geöffnet hat stets nur eine der Kommunschänken, und zwar solange, bis die Fässer leer sind. Der Zoiglstern zeigt den Weg zum Brauer, dessen Schänke gerade geöffnet hat. Der Zoiglstern sei dem Davidstern sehr ähnlich, jedoch nach oben verschoben, sagt Reindl. Der Stern ist das Zunftzeichen der Bierbrauer. “Der hat was mit den Elementen zu tun”, so Reindl. Ist der Zoiglstern an der Hauswand ausgeklappt, wird ausgeschenkt. Meist steht der Brauer selbst oder seine Frau hinter dem Tresen. Der stand früher nicht selten im Wohnzimmer der Familie. Die gute Stube wurde dann kurzerhand zum Wirtshaus. Im Wohnzimmer wird heute nicht mehr ausgeschenkt, neue Verordnungen erlauben dies nicht mehr. Beim Hombauer nehmen die Gäste im 20 Jahre alten Anbau Platz, der einer normalen Gastwirtschaft sehr nahe kommt.

Schenkten die Kommunbrauer zu Beginn nur ihr Bier aus, fingen sie bald an, auch Brotzeiten zum Bier zu reichen. Heute stehen auch verschiedene warme Speisen aus der regionalen Küche auf der Karte. Braten, Schnitzel, Fisch und Brotzeitplatten sind die Ergänzung zum selbstgebrauten Märzen. Am Wochenende drängen sich die Gäste in der kleinen Wirtsstube. Viele Jugendliche aus den umliegenden Städten und Gemeinden verschlägt es dann neben den Touristen nach Neuhaus. Je nach Durst der Gäste flössen dann am Tag zwischen eineinhalb und drei Hektoliter die Kehlen hinunter, schätzt Reindl. Im Jahr brauen die drei Kommunbrauer etwa 500 bis 550 Hektoliter, früher im Kommunbrauhaus, heute in den Räumen der ehemaligen Falkenloch Brauerei. Erst wenn ein Brauer sein Bier zu Ende gebraut hat, kann der nächste anfangen. Die Reihenfolge ist festgelegt, jedoch nicht auf den Tag genau. Manchmal braue man fünf Tage, manchmal sieben, das komme immer drauf an, sagt Reindl. Zwischen zehn und zwölf Tagen etwa hat die Wirtsstube eines Brauers dann offen, je nachdem, wie schnell das Bier aus ist. Dann erst öffnet der nächste Brauer. Die Leute verlassen sich schließlich darauf, daß immer einer der Kommunbrauer seine Wirtsstube geöffnet hat. Natürlich halten sich auch die Kommunbrauer streng an das Reinheitsgebot. Nur Hopfen, Malz, Wasser und Hefe kommen in den Sudkessel. Heraus kommt ein traditionelles Märzen, ein stärkeres Bier und gar kein einfaches. Mehr als fünf Jahrhunderte hat die Tradition der Kommunbrauer in Neuhaus schon überlebt. Die Brauer hoffen natürlich, daß die Kinder diese Tradition fortführen. “Man kann sich aber nicht drauf verlassen”, sagt Reindl. Er wünscht sich, daß der Zoiglstern noch lang an seiner Hauswand hängt. Vielleicht schenkt sein Neffe oder die Nichte dann das selbstgebraute aus.

Stefani Hergert für RegioPress

Kontakt: Kommunwirtshäuser in Neuhaus a.d. Pegnitz
Familie Reindl Tel.: (0 91 56) 14 25
Familie Benaburger Tel.: (0 91 56) 16 76
Familie Döth Tel.: (0 91 56) 10 56
DAS BIER AUS DER FRÄNKISCHEN KOMMUNE | Anmelden bzw. neues Benutzerkonto einrichten | 0 Kommentare
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