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Es gibt niemanden, der nicht ißt und trinkt, aber nur wenige, die den Geschmack zu schätzen wissen.

-- Konfuzius (551 - 479 v. Chr.)

sonstige aktuelle Meldungen Welches genmanipulierte Getreide wird wo in Deutschland von wem angebaut?

Wer das schon immer wissen wollte, findet die Antwort darauf im neu geschaffenen, internetbasiertem Standortregister für gentechnisch veränderte Organismen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL):

Standortregister gentechnisch veränderter Organismen

Details dazu könnt ihr der folgenden Presseerklärung der BVLs entnehmen.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat heute in Bonn das neu geschaffene, internetbasierte Standortregister für gentechnisch veränderte Organismen vorgestellt. Das Standortregister gibt Auskunft über alle Flächen im Bundesgebiet, auf denen gentechnisch veränderte Organismen angebaut oder freigesetzt werden bzw. werden sollen. In dem öffentlich zugänglichen Bundesregister werden sowohl Flächen verzeichnet, auf denen für das Inverkehrbringen genehmigte gentechnisch veränderte Pflanzen zu kommerziellen Zwecken angebaut werden, als auch Versuchsflächen, auf denen vom BVL genehmigte Freisetzungsversuche stattfinden. Grundlage des Standortregisters ist das neue Gentechnikgesetz, das am 3. Februar 2005 verkündet wird.

Nach §16a Abs. 3 des Gentechnikgesetzes muss in Zukunft der kommerzielle Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen mindestens drei Monate vor dem Aussaattermin vom Landwirt dem BVL mitgeteilt werden. Das BVL veröffentlicht die Angaben zu den jeweiligen Standorten, die Bezeichnung des gentechnisch veränderten Organismus sowie dessen gentechnisch veränderte Eigenschaften im Internet. Wer gegenüber dem BVL ein berechtigtes Interesse glaubhaft macht, kann zudem auf Antrag auch personenbezogene Daten einsehen.



Damit werden bereits vor einem Anbau Absprachen zwischen benachbarten Landwirten ermöglicht. �Das Standortregister schafft die notwendige Transparenz für eine Koexistenz von Landwirten, die ohne gentechnisch veränderte Organismen wirtschaften und Betrieben, die sich künftig für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen entscheiden. Das Standortregister stellt damit eine wichtige Voraussetzung für die Wahlfreiheit von Landwirten und Verbrauchern dar�, betont BVL-Präsident Christian Grugel.

Das Standortregister dient darüber hinaus der Beobachtung gentechnisch veränderter Organismen. Nach europäischem Recht und dem neuen Gentechnikgesetz sind gentechnisch veränderte Organismen, die im Rahmen eines Freisetzungsversuchs freigesetzt oder bereits als Produkt zugelassen wurden, zu beobachten, um unvorhergesehene schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, auf Tiere und die Umwelt feststellen zu können.

Das BVL ist zuständig für die Genehmigung von Freisetzungen und Inverkehrbringen von gentechnisch veränderten Organismen und berät die Bundesregierung sowie die Bundesländer und ihre Gremien in Fragen der biologischen Sicherheit in der Gentechnik. Zum Zeitpunkt der erstmaligen Verfügbarkeit im Internet verzeichnet das Standortregister am 3. Februar 44 Anbauer mit insgesamt 92 angemeldeten Flächen. Bei den Anbauern handelt es sich sowohl um landwirtschaftliche Betriebe wie auch Forschungseinrichtungen. Neben dem wissenschaftlichen Anbau planen die meldenden Betriebe auf 950 Hektar so genannten Bt-Mais MON810-6 einzusäen.

Das Standortregister ist unter http://www.bvl.bund.de/standortregister.htm einzusehen.
Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland | Anmelden bzw. neues Benutzerkonto einrichten | 3 Kommentare
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Re: Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland

(Bewertung: 1)
von RalphGL (rl@co-cooking.de) am 16.02.2005, 08:14 Uhr
(Benutzerinformation  | Nachricht senden http://www.co-cooking.de)
Eine wirklich erfreuliche Transparenz, die das neue Gesetz da mit sich gebracht hat! Meiner Meinung nach wäre es wünschenswert, dass auch der ausbringende Betrieb und nicht nur die Flurnummer der Nutzfläche veröffentlicht wird. Und natürlich wäre es interessant, wenn man auch gleich erfahren könnte an welchen Verarbeitungsbetrieb die Produkte ausgeliefert werden.

Ich habe mir die aktuelle Situation einmal näher angesehen und mir ist aufgefallen, dass von den derzeit 102 Anbauflächen (Stand 16.02.05) nur eine einzige in Mittelfranken liegt - genauer in 91325 Adelsdorf im Landkreus Neustadt/Aisch, wo auf 55ha im Mai gentechnisch veränderter Mais ausgebracht wird.

Weitere Anbauflächen in Bayern liegen in Mainfranken und Oberbayern. Auffallend ist der hohe Anteil an Anbauflächen im 0er-Postleitzahlenbereich. Scheinbar sind die modernen Agrarfabriken im Osten wesentlich "aufgeschlossener" für neue Produktionsweisen. Bleibt zu fürchten, dass die Ostalgiewelle nicht ausreicht um zu verhindern, dass das Zeug sich über das eigentliche Anbaugebiet hinaus verbreitet.

Re: Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland

(Bewertung: 1)
von Webmaster (rl@co-cooking.de) am 16.02.2005, 08:38 Uhr
(Benutzerinformation  | Nachricht senden http://www.agentur-lindner.de)
Wie Greenpeace gestern mitteilte entspricht der Anbau der genmanipulierten Maissorte Mon810 des Saatgut-Konzerns Monsanto nicht geltendem EU-Recht. Gemäß der EU-Richtlinie 2001/18 müssen beim Anbau von Gen-Saaten Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit kontinuierlich überwacht werden. Nach Recherchen von Greenpeace existiert ein derartiger Überwachungsplan für Mon810 nicht, obwohl der ehemals zuständige EU-Kommissar David Byrne dies öffentlich behauptete. Trotz dieses Verstoßes hat die EU-Kommission im September 2004 die Aufnahme des Gen-Maises als erstes gentechnisch verändertes Saatgut in den Sortenkatalog der EU genehmigt. Damit kann die Gen-Pflanze in der EU verkauft werden.

Greenpeace-Aktivisten forderten daher Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) in Berlin mit einem "Stopp-Gen-Mais"-Schild auf, die Konsequenz aus der fehlenden Risikokontrolle zu ziehen. Etwa 100 deutsche Landwirte wollen dieses Jahr Gen-Mais anbauen. Bereits im vergangenen Jahr wurde fast ausschließlich Gen-Mais von Monsanto im deutschen Erprobungsanbau ausgebracht.

"Die EU-Kommission hat ihre Mitgliedsstaaten durch falsche Informationen in die Irre geführt", sagt Christoph Then, Gentechnikexperte von Greenpeace. "Damit untergräbt die Kommission die derzeit geltenden Sicherheitsstandards der Europäischen Union. In Deutschland darf unter diesen Voraussetzungen kein Gen-Mais ausgesät werden."

Der Gen-Mais Mon810 enthält ein so genanntes Bt-Gift, das die Pflanzen vor Insektenfraß schützen soll. Jüngste wissenschaftliche Publikationen zeigen ein alarmierendes Spektrum möglicher negativer Auswirkungen dieser Gen-Pflanzen. So kann sich das Gift im Boden anreichern und geschützte Insekten gefährden. Der Überwachungsplan von Monsanto aus dem Jahr 1995 sieht jedoch lediglich vor, im Freilandversuch das Entstehen von möglichen Resistenzen bei Schädlingen zu beobachten. Weitere Risiken des Anbaus werden nicht beschrieben.

In einer Pressemitteilung vom 8. September 2004 hatte David Byrne behauptet, Monsanto hätte seine Risikoforschung verbessert: Es würde ein aktualisierter Überwachungsplan vorliegen, der der Rahmenrichtlinie 2001/18 genüge. Dieser sei von den Mitgliedsstaaten der EU akzeptiert. Nachfragen bei Behörden in Deutschland, Dänemark und Österreich haben jedoch ergeben, dass dieser Plan nicht vorliegt.

Der Anbau von Gen-Pflanzen in Deutschland wird jetzt zur Nagelprobe für Künast, die sich dem Schutz der Umwelt und der Verbraucher verpflichtet hat. Denn die europäische Gesetzgebung erlaubt nationalen Regierungen, Maßnahmen gegen den Anbau von Gen-Pflanzen zu ergreifen, wenn nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen eine Gefährdung von Mensch und Umwelt nicht ausgeschlossen werden kann. Ungarn hat bereits im Januar gehandelt. Das ungarische Landwirtschaftsministerium hat Einfuhr und Anbau von Mon810 untersagt.

(Quelle: Greenpeace Deutschland)

Re: Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland

(Bewertung: 1)
von RalphGL (rl@co-cooking.de) am 18.03.2005, 17:53 Uhr
(Benutzerinformation  | Nachricht senden http://www.co-cooking.de)

Ein gutes "grünes" Gesetz - das kann doch gar nicht sein!



Zumindest nicht lange...

Zu früh gefreut! Habe ich mich wohl über das Gentechnikgesetz, dass bei mir - zugegeben - doch einen gewissen Respekt vor den Grünen Politikern - erzeugt hatte. Doch solch gute Gesetze, die im Sinne der Verbraucher, aber nicht unbedingt im Sinne der Industrie sind, haben in Deutschland keinen Bestand. Die FDP freut sich, dass die Änderungen des Gesetzes nun die Behinderungen der Gentechnikindustrie und der Gentechnikbauern aufhebt und dem Gesetz die "Giftzähne" gezogen werden. Hurra, nun kann es endlich richtig losgehen mit der Gentechnikindustrie in Deutschland!

Die derzeitige Transparenz, mit Veröffentlichung eines Registers, in dem jeder interessierte Bürger feststellen kann, auf welchen Feldern genveränderte Pflanzen von wem angebaut werden, soll es nicht mehr lange geben. Diese Information soll zukünftig nur noch für die zuständigen Landesbehörden zugänglich sein. Mit einer Trennung in einen öffentlichen und einen nichtöffentlichen Teil will Rot-Grün den Berechtigten einen leichten Informationszugang zu den Registern erhalten, andererseits aber auch den Bedenken der Genehmigungsinhaber oder Anbauenden Rechnung tragen.

Was hat der Gentechnikanbauer denn zu verbergen? Schämt sich die Gentechnikindustrie? Warum scheut man die Öffentlichkeit? Und warum kann man das mit den Grünen machen? Schade - Frau Künast - da habe ich einmal etwas Gutes an der Grünen Politik entdeckt und innerhalb weniger Wochen ist alles vorbei. Aber die Industrie ist ja schließlich auch "Verbraucher". Man verbraucht dort offensichtlich grüne Politiker. Wenigstens etwas, wenn schon immer weniger Arbeitsplätze im Land gebraucht werden.

Das Schlimme, wirklich Ärgerliche, was mich stinksauer macht, ist, dass die aus Verbrauchersicht einzig akzeptable und konsequente Umsetzung der verschuldensunabhängigen, gesamtschuldnerischen Haftung bei Gentechnikfolgeschäden fallen wird. Ökologische Folgekosten die aufgrund des Gentechnikeinsatzes entstehen, werden zukünftig diejenigen tragen, die in diesem Land am wenigsten zu melden haben: Die Bürger!

Ralph Lindner

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