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Aphorismen

Gutes Essen kann gesundheitsschädlich sein; schlechtes Essen ist es immer.

-- Wolfram Siebeck

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Co-Cooker fragen sich:
keine Konserve mehr ohne Aroma?



Wir Co-Cooker zählen wohl eher zu den bewussten Verbrauchern. So manches Gurkenglas wandert erst nach Studium des Kleingedruckten in den Einkaufskorb. Was dort zu lesen ist, erschreckt mich allerdings von Tag zu Tag mehr.

Wo leben wir, wenn es kaum noch eingelegte Gurken gibt, denen keine Aromastoffe zugesetzt werden? Welcher Dreck wird uns teuer in kleinen Gläsern als Meerrettich verkauft, wenn sogar schon Meerrettich aromatisiert werden muss?
Saure Gurken sind eigentlich nichts weiter als frische kleine Gürkchen, die zum Haltbarmachen in einer Essigmarinade erhitzt und eingedost werden. Der Geschmack wird hauptsächlich durch den verwendeten Essig sowie zugegebenen Kräutern (v.a. bei Gewürzgurken) bestimmt. Die Gurke an sich steuert vor allem die "Knackigkeit" bei, die eine gute Saure Gurke ausmacht. Cornichons sind die französische Alternative aus besonders kleinen Gurken. Als weitere Spezialität sind Salzgurken zu nennen (die mag aber nicht jeder).

Was also hat Aroma im Gurkenglas zu suchen?


Meiner Meinung nach nichts. Guter Essig, frische Kräuter, kein Aroma. Ich lasse Saure Gurken mit Aromastoffen im Regal stehen. Besonders bedenklich finde ich, dass gerade die Markführer ihre Produkte mit Aromen aufpeppen. Scheinbar sind ihnen gute Zutaten zu teuer... Im Nürnberger Raum gibt`s in einigen Märkten die sogenannte Regionaltheke, die leckere Sauerkonserven "wie von Großmutter eingekocht" anbietet.

Und wie schaut`s beim Meerrettich aus?


Schlecht. Sehr schlecht. Die Verwendung von Aromen beim Meerrettich erscheint mir noch verachtenswerter als bei den harmlosen Gürkchen. Meerrettich ist der schärfste Vertreter der Rettichwurzeln. Will man selber frischen Meerrettich reiben, sollte man sich doch wenigstens eine Schwimmbrille (bei größeren Mengen besser eine Gasmaske) aufsetzen, um nicht in Tränen auszubrechen. Für den scharfen Geschmack und Geruch sind ätherische Öle, insbesondere Senföle, verantwortlich, die erst beim Schneiden/Reiben gebildet werden. Und die sind nunmal leicht flüchtig. Scheinbar verliert der Meerrettich bei der (schlampigen?) industriellen Herstellung so viel seines charakteristischen Geschmacks, dass auch Meerrettich mit Aroma aufgepeppt werden muss. Wie bei den Gurken, so verwenden vor allem die Marktführer Aromastoffe in ihren Meerrettichprodukten. Nicht nur im Sahnemeerrettich, auch im herkömmlichen geriebenen Meerrettich in Glas und Tube bleibt man von Chemie nicht verschont. Bei Senf schaut es nicht anders aus...

Kurzes Fazit:


Es lohnt sich wirklich, vor dem Kauf das Kleingedruckte von Fertigprodukten aufmerksam zu lesen. Ich persönlich lasse aromatisierte Produkt im Regal stehen. Lieber keine Gewürzgurken als mit Aroma aufgeplusterte grüne Etwasse.
Lieber auf dem Balkon selbst geriebener Kren als Meerrettichfasern mit Aroma.



Für weitere Informationen verweise ich gerne nicht nur auf "neutrale" Internetseiten sondern auch auf die Konserven-Marktführer, die dank der Gesetzgebung Aromastoffe deklarieren müssen.

SWR Kochen & Genießen: Warenkunde Meerrettich
Der Hersteller Kühne steht seiner Meinung nach für "zuverlässige Qualität, natürliche Zutaten, schmackhaft-gesunde Produkte". Leider zu oft mit Aromen.
Der Hersteller Develey nennt sich "Senf & Feinkost GmbH". Auch hier finden sich Aromen u.a. in Senfspezialitäten.
Der Hersteller Hengstenberg stellt sich selbst die Frage, warum
"Gewürzgurken und andere Sauerkonserven unter Verwendung natürlicher Aromen hergestellt"
werden. Hengstenberg möchte dem Verbraucher "stets eine gleichbleibende und standardisierte Qualität anbieten", wozu nunmal Aromastoffe benötigt werden, die "durch physikalische, enzymatische oder mikrobiologische Verfahren aus pflanzlichen oder tierischen Produkten gewonnen" werden. Schließlich unterliegen "Naturgewürze (...) oftmals sehr starken Schwankungen in ihrer Geruchs- und Geschmacksintensität". Ach ne. Dill sollte man nunmal nicht im Winter pflücken... Lieber verwendet man Aromen, die in Biotech-Anlagen aus pflanzlichen Produkten (Gras? Rinde? Algen?) über mehr oder weniger chemische oder biotechnologische Verfahren (Bakterien? Enzyme?) hergestellt werden. Na dann Prost Mahlzeit...

Wer noch mehr wissen möchte, wird beim Deutschen Verband der Aromenindustrie bestens über alles rund ums Thema Aromen im Essen informiert.
Ein Beispiel der sehr informativen (und unterhaltsamen) Texte: "Wo das Hühnchen auf dem Glas mit Instantbrühe prangt, ist oft kaum Geflügel drin. Erst das im Labor kreierte Geflügelaroma verhilft den Sinnen zum Geschmackserlebnis Hühnersuppe. Nicht anders ist es beim Joghurt, der mit reifen Erdbeeren auf dem Becher fruchtigen Genuss verspricht. Wer das Produkt löffelt, wird geschmacklich nicht enttäuscht. Doch was als besonders erdbeerig Gaumen und Nase verwöhnt, stammt nicht aus den sieben Prozent Fruchtanteil, sondern aus Wurzeln und Rinden aromatischer Hölzer - oder aus chemischer Synthese. 'Die Natur ist unser Vorbild', betont Armin Hohler und lässt an tiefrote Erdbeeren auf besonnten Feldern denken. Doch der Mann untertreibt: Die natürlichen und naturidentischen Aromen haben Vorzüge, die der gemeinen Felderdbeere fehlen. Die ist ein Sensibelchen: Kaum aufgeschnitten, geht ihr Aroma flöten. Püriert wird sie zu Karamellpampe, tiefgekühlt zum geschmacksneutralen Klumpen. Die Erdbeere widersetzt sich ihrer Verarbeitung zu Joghurt, Marmelade und Eis. Sie versagt bei allem, was man wünscht: Haltbarkeit, intensiver Geschmack, niedriger Preis und ständige Verfügbarkeit."
Oh Erdbeere, du Königin der süßen Früchte, solltest du wirklich ein Versager sein?



Co-Cookers Buchtipps zum Thema
Wer sich näher über Ernährung und die Produkte der Lebensmittelindustrie informieren möchte, für den habe ich hier einige Buchempfehlungen zusammengestellt, die ihr natürlich auch über unseren Werbepartner AMAZON bestellen könnt:

Verwendung von Aromen in Lebensmitteln | Anmelden bzw. neues Benutzerkonto einrichten | 1 Kommentar
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Re: Verwendung von Aromen in Lebensmitteln

(Bewertung: 1)
von Webmaster (rl@co-cooking.de) am 23.03.2005, 08:10 Uhr
(Benutzerinformation  | Nachricht senden http://www.agentur-lindner.de)
Einem Kommentar eines Industrievertreters zu dem Thema konnte man entnehmen, dass Verbraucher heutzutage z.B. bei sauer eingelegten Gurken, diese in einer völlig klaren Flüssigkeit ohne Schwebstoffe wünschen. Was natürlich völlig unnatürlich ist und deutlich macht, dass es sich eben unmöglich um ein "handwerklich" gefertigtes Lebensmittel handeln kann. Bedauerlicherweise führt aber die Präsenz von immer mehr geschönten Lebensmittel gerade auch dazu, dass natürliche Lebensmittel immer schlechter vekauft werden können. Das ist eben nicht nur bei Obst und Tomaten so, sondern auch bei sauren Gurken.

Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir Co-Cooker und alle anderen Leute, die sich für gutes Essen interessieren, die richtigen Maßstäbe anlegen und anderen eine Hilfestellung dabei bieten. Scheinbar brauchen viele Menschen heutzutage einen Lebensmittelskandal um zu erfahren, dass das Fleisch, dass sie neulich gekauft haben nicht mehr frisch war. Vielleicht lernen ja mal wieder mehr Menschen, beim Einkauf Nase und Verstand zu benutzen?

Das wünscht sich
Co-Cooker
Ralph

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